DA IST DER WURM DRIN... (Kooperation)

Als Stadtmensch hat man es nicht unbedingt einfach, seinen Biomüll sinnvoll zu entsorgen. Während in ländlichen Gebieten häufig Komposthaufen (im Idealfall sogar ein eigener im Garten) vorhanden sind, bleibt den meisten in der Stadt nur die Biotonne.

Das Sammeln biogener Abfälle für die Biotonne bringt mehrere Probleme mit sich. Zum Einen ziehen Sammelbehälter in der Wohnung ungebetene Gäste wie Fliegen und unangenehmen Geruch an, zum Anderen werden die Inhalte der meisten Biotonnen Wiens lediglich zur Biogaserzeugung benutzt. Das klingt grundsätzlich nach einer tollen Sache, ist aber so ineffektiv, dass das so gewonnene Gas die zur Sammlung benötigten Ressourcen - Stichwort
Müllfahrzeuge - kaum übersteigt. Ausnahmen sind hier nur die Außenbezirke, deren vergleichsweise sehr hochwertiger Biomüll von der MA48 kompostiert und wieder als Erde verkauft wird. Die Problematik der Sammlung bleibt jedoch auch hier.

Workshop in der Werkstatt vom Wohnwagon

Viele wiener Haushalte sammeln daher ihre biologischen Abfälle nicht getrennt, sondern werfen sie in den Restmüll. Bis vor Kurzem habe das auch ich gemacht - nicht immer guten Gewissens, doch in der Überzeugung, dass die Alternativen für mich nicht praktikabel sind. Das dachte ich zumindest.

Beim diesjährigen Sommerfest von Hut und Stiel hatte ich das Vergnügen, die Initiative Wurmkiste.at kennenzulernen, die meinen Blick auf dieses Thema nachhaltig verändert hat. Das Prinzip einer Wurmkiste ist sehr einfach: In einer Kiste lebende Regenwürmer werden mit organischen Abfällen gefüttert und produzieren dabei, gemeinsam mit verschiedensten Mikroorganismen, wertvollen Dünger, z.B. für Topfpflanzen. Abgesehen vom Futter versorgen sich die Würmer weitestgehend selbst und bedürfen daher nur wenig Pflege.

Wurmkiste - Holz

Gedacht - getan: Beim nächsten Wurmkistenworkshop, bei dem noch Platz für uns war, bauten wir unsere eigene Wurmbox. Das ist nicht nur billiger, als sie fertig zu kaufen, sondern erlaubte uns auch, hinsichtlich Verzierungen und anderer Details genau auf unsere Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Der Workshop an sich war ebenso interessant wie gemütlich. Gemeinsam mit etwas über zehn anderen Teilnehmer_Innen hatten wir dort etwa acht Stunden Zeit, alles Wichtige über die Wurmhaltung zu lernen und unsere Kisten unter Anleitung aus den zur Verfügung gestellten Teilen anzufertigen - frisch gekochtes Essen und nette Atmosphäre inklusive.

Mittagessen - Wurmkiste

Nun leben die Würmer seit über einer Woche bei uns am Balkon und scheinen sich sehr Wohl zu fühlen. Lediglich im Winter werden sie wohl in die Wohnung übersiedeln müssen. Entgegen allen Vorurteilen, die ich auch selbst hatte, ist die Wurmbox völlig geruchsneutral. Nur wenn man den Deckel öffnet kann man einen leichten Geruch nach Waldboden wahrnehmen, der Urlaubsstimmung aufkommen lässt. Ich muss sagen ich bin restlos begeistert. Nicht nur habe ich jetzt einen konstruktiven Weg gefunden, meine Bioabfälle zu entsorgen, ich bekomme dadurch auch gleich Dünger geschenkt.

Wurmkiste @ Wohnatelier
Ich könnte hier noch Seitenweise von den tollen Eigenschaften der Wurmkiste (etwa ihrer "automatischen Populationskontrolle") schwärmen und erzählen, damit ihr aber nicht so viel lesen müsst, verweise ich euch für die Details an die Quelle. David von Wurmkiste.at kennt sich bestens aus und beantwortet sicher gerne all eure Fragen ebenso wie eure Bestellungen und Workshopanmeldungen.

Zwei Punkte seien jedoch noch erwähnt:
1.) Ein Trend aus Japan sind sogenannte Küchenkomposter oder "Bokashi-Komposter". Diese Behälter, die Biomüll durch Fermentation zu Dünger machen, sind aus umwelttechnischer Sicht nicht zu empfehlen, da hier anaerobe Fermentation - also Fermentation unter Luftabschluss - durchgeführt wird, bei der das starke Treibhausgas Methan erzeugt wird.

Wurmkiste Fertigung

2.) Aber, ist das dann noch vegan? Diese wohl mehr als berechtigte Frage habe ich mir im Vorfeld lange gestellt. Wie ihr wohl wisst, wird der Begriff "vegan" sehr subjektiv ausgelegt. Im strengen Sinn ist eine Wurmbox naturgemäß nicht vegan. Ich kann sie jedoch absolut mit meinem Gewissen vereinbaren, da es den Würmern in der Box nicht merklich anders ergeht, als in der freien Natur (abgesehen von der wegfallenden Gefahr durch Fressfeinde und die im Ausgleich begrenzte Bewegungsfreiheit - letztere ist jedoch kein Problem, da die Würmer von Natur aus bevorzugt "gruppenkuscheln"). Die Wurmkiste ist den Bedürfnissen der Würmer bestmöglich angepasst und ich bin überzeugt, dass es ihnen darin gut geht.

Wurmkiste am eigenen Balkon

Unser Fazit: Legt euch auch Wurmboxen zu. Sie sparen Arbeit (weil man weniger Müll trennen und/oder entsorgen muss), Geld (gratis Dünger!) und sind klimafreundlich (da die gesamte städtische Müllverwertung weniger zu tun bekommt) und nicht zuletzt sind sie auch noch hübsche Sitzmöbel!

Die Workshopkosten wurden als Kooperation von Wurmkiste.at übernommen.