DIE WELT DER KUNSTSTOFFE - EINE WISSENSCHAFT FÜR SICH

Kunststoffe sind aus unserem Alltag nur noch schwer wegzudenken. Ob als Verpackung oder zum Selbstzweck, in der Wohnung, im öffentlichen Raum oder im Garten - überall sind Kunststoffe in verschiedensten Ausfertigungen zu finden. Fast ebenso groß wie die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten sind die Materialien an sich: Chemisch gesehen gibt es praktisch unendlich viele verschiedene Kunststoffe, von denen zumindest einige zig bis hundert tatsächlich praktisch genutzt werden. Jeder davon hat eigene Vor- und Nachteile, Gefahrenpotentiale und ökologische Hintergründe.Die (konsuminformationstechnisch) gute Nachricht ist, dass die überwiegende Mehrheit aller Kunststoffe, denen man im Alltag begegnen kann, in wenige Typen zusammengefasst werden können:

 

Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) sind die typischen Massenkunststoffe. Sie sind billig, technisch einfach zu produzieren und haben gute mechanische Eigenschaften, die sie gut für verschiedenste praktische Anwendungen qualifizieren. Spezielle Unterarten tragen Bezeichnungen wie z.B. HDPE, LDPE, oder Ähnliches, die Materialeigenschaften können durch Zusatzstoffe stark variiert werden. Ökologische und gesundheitliche Aspekte: Die Ausgangsstoffe für PE und PP werden meist durch Erdölraffination gewonnen (Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen ist möglich, aufgrund des höheren Preises jedoch wenig verbreitet), was ökologisch zu einer eher mittelprächtigen Bilanz führt. In der Entsorgung hingegen sind sie ziemlich unproblematisch: Neben der Recyclierung ist auch ihre Verbrennung unproblematisch. Wie die meisten chemisch stabilen Kunststoffe sind PE und PP an sich gesundheitlich unbedenklich. Aufgrund des weiten Spektrums an Einsatzgebieten werden ihnen jedoch häufig große Mengen an Zusatzstoffen, wie etwa Weichmacher, hinzugefügt - sie machen bis zu etwa 50 % der Kunststoffmasse aus. Diese gelten oft als gesundheitlich sehr problematisch und sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

Polystyrol (PS) Polystyrol ist am besten bekannt durch seine Verwendung als aufgeschäumter Kunststoff ("Styropor"), wird aber auch ungeschäumt und fest, z.B. für Spritzgussformungen, benutzt. Die Anwendungsgebiete sind aufgrund der beschränkten chemischen Beständigkeit aber stark begrenzt. Um die gewünschten Eigenschaften zu erreichen, werden meist Zusatzstoffe, insbesondere Flammschutzmittel, zugesetzt. Ökologische und gesundheitliche Aspekte: PS ist einigermaßen problematisch. Nicht nur wird es - wie die meisten Kunststoffe - aus Erdölprodukten gewonnen, auch seine Entsorgung ist kritisch. In der Verbrennung entstehen (insbesondere auch wegen der Flammschutzmittel) teils hochtoxische Stoffe. Selbst das Recycling ist schwierig, da vor allem bei aufgeschäumtem PS der Anteil an Verschmutzungen sowie der logistische Aufwand der Aufbereitung relativ hoch sind. Aufgrund der chemischen Unbeständigkeit und der Giftigkeit der seiner Bestandteile ist PS auch gesundheitlich grundsätzlich bedenklich und wird daher in der Lebensmittelindustrie nur unter gewissen Auflagen.

Polyvinylchlorid (PVC) PVC (auch Polychlorethen oder Vinyl) zeichnet sich durch seine herausragende Dichtheit, sowie seine extreme chemische (allerdings relativ schlechte thermische) Beständigkeit aus. An sich ist es ein hartes und steifes Material, das durch Zusatz von Weichmachern aber auch gut verformbar und weich gestalten kann. Ökologische und gesundheitliche Aspekte: PVC gilt als der umweltschädlichste (Massen-)Kunststoff überhaupt. Einerseits ist bereits die Herstellung problematisch, andererseits stellt die Entsorgung die entsprechenden Anlagen vor große Probleme und erzeugt hochgiftige Substanzen. Aus gesundheitlicher Sicht ist PVC aufgrund der ähnlichen Situation hinsichtlich Weichmacher mit PE und PP zu vergleichen.

Polyethenterephthalat (PET) PET ist ein sehr hochwertiger Kunststoff, der mit vergleichsweise geringen (oft gar vernachlässigbaren) Mengen von Zusatzstoffen in verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommt. Am bekanntesten ist PET wohl durch Getränkeflaschen, die aufgrund der mäßigen Temperaturbeständigkeit jedoch immer häufiger nicht aus PET sondern aus PE oder PP gefertigt werden. Ökologische und gesundheitliche Aspekte: PET kann relativ effizient recycliert werden und ist vergleichsweise unproblematisch in der Herstellung, gehört somit insgesamt zu den eher umweltfreundlicheren Kunststoffen. Gesundheitlich wird oft kritisiert, dass PET Acetaldehyd abgibt, das zwar mengenmäßig (bei typischen Anwendungen) deutlich unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte angesiedelt ist, aber dennoch nicht als absolut unbedenklich gilt.

Polylactid (PLA) PLA (auch Polymilchsäure) ist ein noch relativ selten benutzter, aber stark im Wachsen begriffener Kunststoff. Er wird aus bakteriell produzierter Milchsäure hergestellt und kann in vielen Anwendungsbereichen durchaus mit erdölbasierten Kunststoffen mithalten (wenn auch zu einem höheren Preis). So können beispielsweise transparente Trinkbecher ebenso aus PLA gefertigt werden wie Bekleidung. Ökologische und gesundheitliche Aspekte: PLA ist ein typischer Biokunststoff: Er wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und kann problemlos sowohl kompostiert als auch verbrannt werden. Auch gesundheitlich gibt es keine wesentlichen Bedenken, da die chemischen Bestandteile (Milchsäuremoleküle) praktisch allgegenwärtig sind.

 

Bleibt die Frage, wie man verschiedenen Kunststoffe (bzw. ggf. deren Zusatzstoffe) unterscheiden kann. Neben der bei Verpackungen verpflichtenden Kennzeichnung helfen folgende Faustregeln:

  • Je weicher ein Kunststoff, desto mehr Weichmacher enthält er und desto kritischer ist er zu betrachten. Zu beachten ist hierbei, dass Gummi kein Kunststoff (im klassischen Sinn) ist und relativ unproblematisch ist.
  • Ein klares Warnzeichen sind ausdampfende Additive, die sich durch den typischen "Plastikgeruch" bei neuen Produkten bemerkbar machen. Kunststoffe mit diesem charakteristischen Geruch beinhalten nicht nur (meist beträchtliche Mengen) Additive, sondern geben diese auch an ihre Umgebung ab, wodurch sie umso leichter aufgenommen werden und zu gesundheitlichen Problemen führen können.